Es begann am ersten Abend mit einer herrlichen Überraschung: Béatrice hatte das Begrüßungsessen ins Hôtel Alliance gelegt, einem sehr schönen Platz, eingerichtet in einem großen Klosterbau der Spätrenaissance. Dort wohnten einst die Brüder des „ordre des minimes“ (dem Bettelorden – ordre mendiant – der „mindesten Brüder“). An dem prächtigen Platz genossen wir ein leichtes, sehr gutes Menü. Der Sonnabend gehörte Arras: bereits ein vorrömischer keltischer Ort (Stamm der Atrebraten), röm. Garnisonsstadt und eine blühende Handelsstadt im Mittelalter. Es heißt immer „Arras et ses places“, zu Recht: die Place des Héros vor dem gotischen Rathaus mit den Renaissancehäusern ist wunderbar, wie auch die Grand’ Place. Der 75 m hohe Beffroi schmückt das Rathaus und gehört zum UNESCO-Welterbe der flandrischen Belfriede im Nord-Pas-de-Calais. Die großen Zerstörungen aus dem ersten Weltkrieg erforderten einst umfangreichen Wiederaufbau Die riesige barocke ehemalige Benedik-tinerabtei St Vaast (frz. Gaston, engl. Foster, dt. Vedast, Bischof in Arras um 500) ist heute Stadtmuseum. Ihre vorbenediktinische Gründung fand schon im 7. Jh. statt. Die große, jetzt barocke Abteikirche ist heute Kathedrale. Unter der Stadt erstrecken sich in verschiedenen Tiefen ausgedehnte Kreide-höhlen, die „boves“, heute wechselnd geschmückt unter Nutzung der Feuchte für Vegetation. Sie spielten eine Rolle im ersten Weltkrieg, sowohl als Schutzbunker wie auch als Versteck für Truppen der Neuseeländer, Kanadier, Briten, denen es dadurch gelang hinter die Feindesfront zu gelangen. Wir wurden sehr gut geführt. Vor diesem ausgedehnten und sehr interessanten Besuch stärkten wir uns in einem entzückenden kleinen Restaurant an der Place des Héros, dem „La clé des sens“ (oder L’ACLE des sens?).

 

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Der Abend gehörte den Opernfreunden: „Thésée“ von Lully in der Liller Oper war eine besonders beacht-liche Aufführung! Gesanglich und vom Orchester hervorragend, teils in Besetzung mit alten Instrumenten, neben den Cembali auch Lauten, Theorben, flûtes douces. Der große Lully wusste die Magie einer Me-dea zu nutzen, aber auch der Regisseur in äußerst raffinierten Bühneneffekten. Dass Lully davon lebte, monarchische Huldigungsinszenierungen zu liefern, ist bekannt; der griechische Mythos ist hier umform-barer dramatischer Rohstoff, der attische Held wird zum modischen Höfling des Absolutismus. Doch wie der große florentiner Meister dies meisterte und wie gut es interpretiert wurde, war sehr beeindruckend!

 

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Am Sonntagmorgen, im etwas feuchten Grau des Nordens, wurde die Bilderausstellung „Les fenêtres qui parlent“, eine Straßenausstellung mit in Wohnungsfenstern gezeigten Gemälden, in der rue de la paix d’Utrecht eröffnet. Unsere fünf Künstler waren mit acht Bildern beteiligt. Etwa 200 Zuschauer waren dieser Initiative im Ortsteil Wazemmes gefolgt – ein nachbarlicher Schriftsteller lieferte eine brillante Eröffnungsrede, die den klassischen „discours“ großartig parodierte. Dann empfing uns „unser“ Restaurant „Aux Brétons“ am Marché von Wazemmes .... und auf dem Heimweg kreuzten wir den Karnevalszug von Wazemmes und konnten die Freunde von Wazemmes Accordéons begrüßen, die mitliefen.

 

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Es war viel, aber genussvoll und sehr interessant, eingerahmt von der liebevollen Gastfreundschaft und Fürsorge der ACLE-Freunde, allen voran Béatrice Rauwel. Dank sei ihnen, aber auch unserer Ronde des artistes!

 

Dr. Haye Roth