Herkulisch-lukullisch fand das erste Abendessen im Restaurant „Alcide“ in der Innenstadt statt. Fabrice Casadei, Béatrix Rauwel, Familie Pateau und verschiedene weiter ACLE-Freunde begrüßten uns. Es wurde ein fröhlicher und gesprächiger Abend. Als Fabrice Casadei und Haye Roth nach dem Apéritif Hunger hatten und meinten, Ansprachen kann man auch nach der Mahlzeit halten, rührte sich alsbald die vox populi und skandierte kraftvoll „un discours, un discours“. Nun, wir holten das nach, Fabrice in seiner galanten Art auf Deutsch, Haye in Französisch ... bis seine Frau meinte, jetzt sei es aber genug.

Der recht gefüllt Sonnabend begann mit der Fahrt nach Boulogne mit Stadtbesichtigung. Petrus war uns sehr gnädig und wir sahen die Festungsburg (13 Jh., nach starken Kriegs-schäden wunderbar restauriert), welche in die mittelalterliche Stadtbefestigung integriert ist. Im Zentrum steht der riesige mittelalterliche Belfried mit barockem Hütchen, um den ein prachtvolles barockes (teils auch neubarockes) Rathaus gebaut ist. Seit der Gründung als Hafen und Festungsplatz durch Caesars Armee (mit der Absicht, Britannien zu erobern, was aber erst ca. 100 Jahre später unter Claudius gelang) durchlebte die Stadt eine vielfältige Geschichte, lange Zeit als Grafschaft Boulogne, immer als wichtiger Hafen, heute vor allem Fischereihafen. Boulogne hat eine Basilika alten Ursprungs (bedeutende romanische Krypta, 11. Jh.), die heute ein machtvoller Neorenaissancebau ist und einigermaßen restaurierungs-bedürftig. Der Nachmittag brachte uns nach Wissant an die Küste, zwischen den beiden Kaps Gris-Nez und Blanc-Nez gelegen. Die Sonne strahlte, wenn auch ein Dunst über dem Kanal den Blick auf Britanniens Gestade verhinderte. Alle genossen diese schöne Land-schaft, den weiten Strand, die Sonne. Unter munterer Führung der sportlichen Catherine Noël wanderten wir gut 2 Stunden von Wissant auf das Cap Gris-Nez, teils am Strand, teils über die Grande Randonnée, beginnend im Sonnenschein, dann durch eine Avalonstim-mung treibenden Meeresdunstes und Nebels, dann wieder in die Klarheit der Höhe. Im weit bekannten Restaurant „La Sirène“ (die Loreley des Cap Gris-Nez) im Abhang der Steilküste direkt über dem Strand gab es örtliches Bier und ein großes Abendessen.

Am Sonntag, wieder bei recht gutem Wetter, ging es nach Dünkirchen über das bezaubern-de kleine mittelalterliche flandrische Bergues, ein fester Ort zunächst, später Festung. Dün-kirchen sahen wir im Laufe einer Busrunde: es ist beeindruckend, wie es nach schweren Kriegsschäden aufgebaut wurde, welches Leben es ausstrahlt: modern, auch industriell, doch auch seines großen historischen Erbes bewusst. Das LAAC (Lieu d’Art et Action Con-temporaine) beeindruckt besonders als Anlage (Museum und Skulpturengarten) wie mit seinen Sammlungen und laufenden Ausstellungen.

Auf dem Heimweg über Lille gab es dort herzliche „au revoir“-Umarmungen mit unseren Freunden und Begleitern. Etwa 12 Personen hatten sich rührend um uns gekümmert, obgleich der Sonntag der französische Muttertag war! Besonders gilt unser Dank Béatrice Rauwel und auch Dominique Pateau für die Vorbereitungen und natürlich allen geduldigen und großzügigen Gastgebern. Bis zur Kunstvernissage alsbald ... sonst bis zum November im romanischen Köln!

Haye Roth