Auszug aus der Ansprache anlässlich der Vernissage der „Ronde des Artistes“ am 8.11.2009 im Restaurant „Die Zeit der Kirschen“

Verehrte Gäste,

Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s  nicht erjagen,

Wenn’s Euch nicht aus der Seele dringt

Und mit urkräftigem Behagen

Die Herzen aller Hörer zwingt.

So Faust zu seinem Famulus Wagner, als der ihn mit seinen Bitten um Vermittlung von schulmäßig korrekter Kunstfertigkeit nervt. Gefühl, Seele, Herz  - es sind die zentralen Begriffe der Geniezeit, aber Goethe hat sie trotz mancherlei Selbstkritik am sogenannten “Sturm und Drang“ in späteren Fassungen des „Faust“ nicht verändert. Wir können sie als eine Art Vermächtnis verstehen:  Wahre KUNST , im Gegensatz zur imitativ-reproduktiven Künstelei, ist  Ausdruck von etwas genuin Persönlichem, Ausdruck dessen, was der Künstler aus seinem eigenen Inneren , seiner „Seele“, gestaltet, Reflex auf seine ganz persönliche Wirklichkeitserfahrung. Wir nennen es heute: Authentizität.

Mit welchen Mitteln der  Künstler seine KUNST hervorbringt und welche Ziele er dabei verfolgt, bleibt  letztlich sein Geheimnis.

Fern also liege es mir, die heute und hier zu würdigende Künstlergruppe der „Ronde des Artistes“ irgendwelchen „Ismen“ zuzuordnen – ganz nahe aber liegt es mir, ihr großes Lob, Dank  und Anerkennung, ja Bewunderung auszusprechen.

Die Gruppe hat seit ihrer Gründung vor dreieinhalb Jahren eine Ausstrahlung entwickelt, die  so intensiv anfangs kaum jemand erwartet hatte. Sie hat sich selbst und die  Deutsch-Französische - Gesellschaft - Köln  in hervorragender Weise bereichert. Zum einen durch die Pflege von engen Kontakten zu unserer französischen Partnerstadt Lille mit mehreren Ausstellungen in Lille, zum anderen durch Bezugnahme auf  die Themen der DFG  und die damit verbundenen kommunikativen Angebote an unsere Mitglieder und Freunde anlässlich ihrer Vernissagen. Denn es macht schon einen Unterschied, ob der Vorstand  eher rezeptiv orientierte Unternehmungen anbieten kann ( Vorträge z.B. )oder kooperative wie die heute, wo uns in der Begegnung mit Künstlern eine kreative lebendige Auseinandersetzung erwartet..

Ich danke also sehr herzlich den heute hier opulent ausstellenden „Artistes“. Sie alle haben sich, und damit komme ich auf Faust zurück, nicht deklamatorisch wie Wagner mit KUNST beschäftigt, sondern wirken aus jener Kreativität heraus, die Goethe „Gefühl“ nennt und die wir Authentizität nennen wollen..

Ich hatte in einem Vorgespräch mit den fünf Künstlern der heutigen Vernissage Gelegenheit, ein wenig Einblick sowohl in die thematischen Hintergründe als auch die formalen Gestaltungsprinzipien ihrer Bilder zu gewinnen. Nur in Stichworten wage ich mich dem anzunähern:

Bei Gudrun Bießmann ist es ganz offensichtlich die Farbe Blau, die sie in diesem Jahr fasziniert, was sich denn auch im Titel ihrer Bilder spiegelt „Paysages bleus“. Ein Blau allerdings, das sich nicht nur intensiv Himmel und Wasser verbunden fühlt, sondern  auf dem  Dialog mit der Erde besteht, weshalb ihm denn auch die Ehre zuteil wird, mit realem, global gesammeltem Sand, wie Gewürzproben auf zartem Seidenpapier fein ausgestreut r, in Beziehung zu treten - spannende Collagen der Kontraste!

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Collagen auch bei Etienne Szabo! Und auch hier Kontraste! Aber es sind die der Zeit. Schnipsel früherer Arbeiten, Etüden vielleicht, werden schwarz übermalt, drohen ins Vergessen abzusinken, ins Nichts zu geraten, der Gestaltlosigkeit zu verfallen, aber sind vielleicht doch auch errettbar, können wie schöne Renaissancebilder der Vergänglichkeit entrissen werden, lassen Renaissance  - Wiedergeburt also -  möglich erscheinen , schwarz übermalte Schnipsel kontrastieren mit lichten Formen, die Trost verheißen.

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„Zueinander / Miteinander“ nennt Ingeborg Thistle das Thema ihrer Auseinandersetzung mit den sozialen und politischen Gegebenheiten der deutsch-polnischen und deutsch-deutschen Vergangenheit. Auch sie lässt kontrastreich Farben und Materialien in Collagetechnik zum Ausdruck kommen – wobei einmal sogar die Funktion des Tesafilms ironisch-listig ins Spiel gebracht wird.

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Ghislaine Watanabe stellt ins Zentrum ihrer Bilder „Le sourire du Tao“, Laotses Harmoniegedanken also, demzufolge die Natur sich sanft und quasi unbewusst aus sich selbst entwickelt, rhythmisch der Systole - Diastole Bewegung des Herzens ähnlich. Für Ghislaine Watanabe ist dieser Rhythmus formal jener Handbewegung vergleichbar, die sie als Kind in der französischen Grundschule gelernt hat, als sie „la belle écriture propre“ mit Feder und Tinte übte: Aufstrich – Abstrich, le plein et le délié. Das führte offenbar nicht zur Verkrampfung der Hand, sondern zu jener „Légèreté“, aus der heraus sie in ihren Bildern beschwingte, tänzerisch anmutende Welten erwachsen lässt.

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Nicoletta Wohlleben liebt den  kräftigen, fast wilden Duktus! Sin-City ( Sündenstadt ) ist eines ihrer Themen, oder Hudson River unterm Sturm und Skyline, dezidiert Großstädtisches also, in kurzen, mal kreisförmig abrupt endenden Strichen hingesetzt, mal senkrecht  dunkel drohend aufgeblockt. Sehr eindrucksvoll!

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H.J. Hummes