Der erste tiefe Atemzug in diesem Sinne fand in der Kirche St. Andreas statt, und es war ein tiefer Atemzug dank unserer Betreuer und Vortragenden. Besonders Dominikanerpater Marcel Oswald unterstützte uns mit Betreuern der Pfarre in wunderbarer Weise und öffnete unsere Ohren und Augen ... und auch den Mund, nämlich durch seine humorvolle Art. Das Kölner Mittelalter brachte uns Frau Dr. Vones-Liebenstein näher. Man kann diese Kirche nicht erwähnen, ohne von Albert dem Großen und von Thomas von Aquin zu sprechen – zumal, wenn es um die kulturelle Nähe zu Frankreich geht, denn beide lehrten in Köln und Paris. Etwa 65 Personen waren zusammen, darunter 21 Liller von der Freundesgesellschaft ACLE und von der inzwischen bestens befreundeten Kulturgesellschaft AMOPA (Association des Membres de l’Ordre des Palmes Academiques). Es gelang uns, die Eingangsveranstaltung in Französisch zu halten. Die späteren Führungsgruppen waren meist geteilt in je eine Gruppe der beiden Sprachen.

 

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St. Pantaleon

In St. Pantaleon, der Kirche, die ihre vorromanischen ottonischen Züge auch heute noch am auffälligsten zeigt, ging es zunächst mit einem kleinen Orgelkonzert der Organistin und Kantorin Martina Mailänder weiter. Dann begann die so gute Erfahrung mit unseren Führern, Frau Dr. Wischermann und Herrn Busse. In dem schönen Bau webt noch der Geist der Epoche der deutschen Könige aus sächsischem Haus, dann alsbald auch römische Kaiser, deren etwas roh geschnitzte Lebensart des hochfeinen Kulturbades der griechisch-byzantinischen Prinzessin Theophanu bedurfte, die als Gattin von Otto II Königin und Kaiserin wurde und nach dessen Tod bzw. bis zum Heranwachsen des kleinen Otto III sieben Jahre segensreich regierte. Den Spätnachmittag nutzte mancher, um noch zum Dom zu eilen und das neue Südfenster von Gerhard Richter anzusehen. Dank der Großzügigkeit der Pfarre und der Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter, besonders Frau Klöppel, wurde eine sonst völlig unübliche Abendführung in der Kirche St. Severin ermöglicht! Das war der einzige Zeitspalt, den wir hatten, um dieses Kleinod Kölns zu sehen. Neben Kirche und wunderbarem Kirchenschatz findet sich unter der Kirche das erst im vorigen Jahrhundert entdeckte reiche antike Gräberfeld aus spätrömischer und frühfränkischer Zeit, ebenso wie die Reste der ersten Kapelle an diesem Ort zur Zeit Severins (um 400 gestorben), dem dritten historischen Bischof Kölns (nach Maternus und Euphrates). Im Sacrarium auf dieser alten historischen Ebene sind die höchst wertvollen Textilien aus dem Reliquienschrein des Hl. Severin ausgestellt, den man überhaupt erst in den 90er Jahren öffnete! Eine Pracht von Seidenstoffen orientalischen Ursprungs aus dem 7. – 9. und von Leinengewebe aus dem 8. – 10. Jahrhundert.

Dieser Sonnabend war dicht gefüllt und erlebnisreich. Die Entspannung im gastlichen und delikaten Restaurant Ecco neben der Severins-Torburg war demgemäß fröhlich und ausgelassen. Überhaupt freuen wir uns an dem geselligen Beisammensein. Das war zu spüren beim Begrüßungsabend in der „Keule“ und bei den kleinen Mittagspausen im "Weißbräu" und am letzten Tag in der „Malzmühle“.

 

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Der Sarkophag der Theophanu

 

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Unter St. Severin: römischer Sarkophag

Am Sonntag ging es etwas gemächlicher zu, wir waren nun ja auch initiiert. Auf dem Programm waren die Kirchen St. Maria Lyskirchen und St. Maria im Kapitol, die letzte der Prototyp der salischen Hochromanik, deren Apsis und Querschiffe in Konchenbauweise zu einer Kleeblattform zusammengefasst sind. Sie steht an der Stelle des einstigen römischen Tempels der Trias Jupiter, Juno, Minerva. Die nahe „Malzmühle“ ließ uns über Mittag zurückschauen und Abschied feiern.

Dies war der zweite große Einblick für unsere Freunde in das Erbe Kölns. Zwei Jahre zuvor bewegten wir uns zusammen durch das römische Köln (und besuchten auch St. Maria im Kapitol!), dieses Mal durch das romanische. Dies sind die beiden historischen Säulen dieser Stadt, die erst spät in die Modernität fand, dann aber gründlich: heute ist Köln vor allem ein Wirtschaftszentrum mit zentraler Bedeutung für Energie, Chemie, und Automobil (der Verbrennungsmotor, der alle Autos der Welt antreibt, wurde schließlich in Köln erfunden), dazu für Handel, Versicherungen und auch Banken. Das ist sehr wichtig, aber dafür ist Köln bei vielen weniger bekannt als für den Karneval ..... ohne den allerdings hat und wird das Rheinland nie sein können! Der 11. 11. hat uns gerade erreicht, die Jecken sind unterwegs, die Session hat begonnen!

Haye Roth, 12. November 2007

 

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Convivialité im schönen Restaurant Ecco