Wanderung durch Münster und Besuch der Sonderausstellung „Von Degas bis Picasso“ im Graphikmuseum am 2. Februar 2010
Obwohl der wetterkundige Herr Kachelmann vom WDR-Fernsehen am Vorabend gestenreich Dramatisches mit Schneetreiben und Sturm angekündigt hatte, blieb am 2. Februar alles ruhig am Kölner Hauptbahnhof, und wir konnten pünktlich um 9:21 Uhr abfahren, wohlverwahrt im Ersten Stock des Regional-Express mit schönen Ausblicken auf die verschneiten Landschaften.
In Münster allerdings war dann doch Schluss mit lustig! Schnee und Regen satt - aber am Blumenstand empfing uns Frau Menges, unsere Stadtführerin, so herzlich, dass fortan alles gut wurde, und wir, 19 Teilnehmer, ihr vertrauensvoll, wenn auch mit manch kritischem Blick auf den rutschigen Boden, vorsichtig folgten.
Erste Station: Prinzipalmarkt und Blick auf ein kleines bronzenes Stadtrelief, auf dem Stadtmauern und Kirchtürme gar zierlich emporragten, und wo wir den weitsichtigen Entschluss des friesischen Missionars Ludger guthießen, sein MONASTERIUM auf erhöhtem Terrain (einem „Berg“ von nahezu 60 Metern Höhe!) zu platzieren, um Überflutungen zu vermeiden.
Dann bewunderten wir den dreiflügeligen Erbdrostenhof des uns aus Brühl bekannten Barockbaumeisters J.C. Schlaun, der 1753 ein architektonisches Meisterwerk mit einladender Toreinfahrt und Ehrenhof schuf sowie dafür Sorge trug, dass die Treppenstufen flach und tief gestaltet wurden, um es den reifrockbewehrten Marquisen zu ermöglichen, elfengleich emporzuschweben.
Es folgte Sankt Lamberti, diese wunderbar lichtdurchflutete spätgotische Hallenkirche, durch schlanke Pfeiler weiträumig gegliedert. Eindrücklich berichtete die Führerin von der schlimmen Verfolgungsgeschichte der sogenannten „Wiedertäufer“, Melchioriten aus den Niederlanden, und ihrem blutigen Ende 1536 mit der öffentlichen Zurschaustellung der zu Tode gefolterten drei Hauptprediger in den eisernen Körben hoch oben am Turm. Ein schauriges Erbe!
Der spätromanisch gemütlich daliegende Dom bot uns da erwünschte Beruhigung, besonders seine linksdrehende astronomische Uhr, die das Zeitliche mit Mondphasen, Planetendarstellungen und einem „Ewigen Kalender bis 2071“ geruhsam zu vermitteln weiß, heiter begleitet vom hölzernen Tutemännchen und seiner Frau, die den Glockenschlag auslöst. Ein kritischer Blick auf die „Kellerfenster“ im Westwerk konnte den insgesamt homogenen Eindruck, den der Dom bietet, nicht trüben.
Im „Friedenssaal“ des Rathauses erfuhren wir, dass der „Westfälische Friede“ von 1648 hier weder verhandelt noch ratifiziert wurde, dass aber immerhin 150 Gesandte zuvor hier vier Jahre lang ein- und ausgegangen waren und durch den Austausch der unterzeichneten Verträge der Frieden beschworen und die Niederlande gegründet wurden. Dass die junge Gattin eines französischen Gesandten allhier so oft und heftig tanzte, dass sie einen ihrer Schuhe verlor, der nun, reliquiengleich, in einer Vitrine verwahrt, hier im Rathaus ausruhen darf, soll nicht unerwähnt bleiben, denn wir wissen ja: Westfalenland, Westfalenland.......!
Nach dem Stadtspaziergang gönnten wir uns ein wirklich erstklassiges Mittagsangebot im neben dem Rathaus gelegenen Restaurant „Stuhlmacher“. Wohlgestärkt ging es pünktlich um 15:00 Uhr zur Führung durch die Sonderausstellung im Graphikmuseum.
Dort verstand es eine junge temperamentvolle Kunstelevin, uns schwungvoll mit der Entstehung der Sammlung Jean Planque vertraut zu machen und das Verständnis der exquisiten Exponate im Zusammenhang mit den Biographien ihrer Schöpfer sowie den Begegnungen mit Jean Planque zu vertiefen. Mit einem Blick auf die heiteren Holzkreationen von Kosta Alex schloss sie die Führung ab. Wir spendeten ihr, wie zuvor schon Frau Menges, herzlichen Applaus.
Ein Besuch im Museumscafé gegen 16:15 Uhr rundete den ebenso kulinarischen wie kunst- und kulturgetränkten Ausflug nach Münster ab, und wir landeten trotz leichter Wetterunbilden pünktlich um 19:38 Uhr wieder in Köln, „sain et sauf“.
H.J.Hummes |